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Kurzgeschichte ...

von Peter Wayand
frei nach Büchern & Hörspielen von H. G. Francis

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Die geschilderten Ereignisse stammen aus der Hörspielvorlage > Das Mittlere Auge < von 1980.
Anmerkung von Peter Wayand: "Diese SF-Kurzgeschichte entstand als Schreibaufgabe für das Seminar "Klassische Ideen neu interpretieren. Die phantastische Kurzgeschichte" von Mai 2015 mit Klaus Frick und Uwe Anton in der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V."

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»Sonnenvernichter«


Countdown minus fünf Minuten .

Atme. Atme rhythmisch. Schließ' den Helm, aktiviere die Spezialversiegelung. Kontrolliere alle Funktionen. Setz' die Klarmeldung an die Zentrale ab. Die Bestätigung erfolgt sofort. Die Startfreigabe wird erteilt. Öffne die Andockklammern. Und raus. Der Raumjäger löst sich wie ein Torpedo vom Mutterschiff und schießt lautlos in die Schwärze des Alls hinaus. Der Kurs ist programmiert. Die Ortungsgeräte sind aktiviert. Die automatische Steuerung hat übernommen.

Countdown minus vier Minuten .

Atme. Atme rhythmisch. Drossel' deinen Puls. Du hast keine Möglichkeit, den Schweiß von der Stirn zu wischen. Also vergiss es. Die Klimaanlage des Helms arbeitet auf Hochtouren. Der Befehl ist eindeutig: Du musst in die Sonne. Dem Sonnenvernichter hinterher. Du schüttelst unwillkürlich den Kopf. Wer mag wohl die verbotene Waffe auf diese Sonne losgelassen haben? Allein Ihre Herstellung stellt schon ein ungeheures Vergehen gegen die Gesetze des Geistes dar, denn ihre Existenz bedroht ganze Sonnensysteme. Sie muss aufgehalten werden, sie muss, um jeden Preis.

Countdown minus drei Minuten .

Atme. Atme rhythmisch. Bekämpfe die aufkommende Panik. Bleib' Herr deiner Sinne. Die Analyse des internen medizinischen Diagnoseprogramms zeigt eine akute temporale Klaustrophobie. Kein Wunder, wenn man geradewegs in die Sonne rast. Was für ein Kamikaze-Unternehmen. Und das alles für ein Volk, dass du noch nicht einmal kennst. - Wer mögen sie sein? Wie mögen sie aussehen, leben, wie ihr Leben gestalten? Ob sie empfindungsfähige Wesen sind? Ob sie lieben können? Hoffentlich sind sie es wert, dass du hier deine eigene Existenz für sie aufs Spiel setzt?

Countdown minus zwei Minuten .

Atme. Atme rhythmisch. Der Glutball der Sonne füllt deinen gesamten Gesichtskreis aus. Eine aberwitzige Feuerwand. Doch die optischen Filtersysteme haben das grelle Licht auf ein erträgliches Maß reduziert. Dadurch wirkt sie tiefblau. Du hast den Eindruck, auf eine riesige Wasserfläche zuzurasen. Eine optische Täuschung, nicht mehr. Ohne die Anti-Photonen-Legierung, die eigens für diesen Einsatz entwickelt wurde, hätte sich der Raumjäger längst in einen fliegenden Schnellkochtopf verwandelt, mit dir als besonderem Schmorbraten - Nein. Solche Gedanken musst du beiseite schieben. Sie hindern dich nur an dem, was du vorhast, was du tun musst, was deine Pflicht ist.

Countdown minus eine Minute .

Atme. Atme rhythmisch. Die Orter schlagen an. Der Sonnenvernichter ist wirklich da. Nicht unerreichbar. Er sendet Impulse aus, sehr starke Impulse. Ohne die Computerautomatik hättest du keine Chance, die Aufgabe zu bewältigen. Und wieder stellst du dir die Frage, wieso du hier überhaupt dein Leben riskierst. Was für einen Sinn hat das alles? Der Gedanke lässt dich nicht los. Wie kaputt, abgebrüht und geistesgestört muss man sein, eine solche Waffe zu planen, zu bauen und auch zu aktivieren? Wer es war, hat dir natürlich niemand gesagt. Für deine Aufgabe spielt das auch keine große Rolle. Das Problem ist da und muss gelöst werden.

Countdown minus fünfzig Sekunden .

Atme. Atme rhythmisch. Der Raumjäger muss den Sonnenvernichter erreichen, bevor der kritische Punkt erreicht ist, der Punkt, an dem es keine Möglichkeit mehr zur Rückkehr gibt. Jetzt abzubrechen und zu verschwinden wäre sinnlos, das weißt du. Wenn du den Sonnenvernichter nicht einfangen und zurückbringen kannst, ist es sowieso vorbei. Vorbei mit dem ganzen System, vorbei mit dem Mutterschiff, vorbei mit dem Raumjäger, vorbei mit - dir. Du kämst nicht mehr rechtzeitig weg. Also streng dich an. Die Impulse werden stärker.

Countdown minus vierzig Sekunden .

Atme. Atme rhythmisch. Der Sonnenvernichter kommt in Reichweite. Könntest du die optischen Sensoren benutzen, müsste er schon zu sehen sein. Doch deine Augen können in dem blauen Inferno da draußen nichts erkennen. Der Autopilot passt bereits das Tempo an, die Steuerautomatik richtet den Raumjäger parallel zum Sonnenvernichter aus, bringt ihn längsseits.

Countdown minus dreißig Sekunden .

Atme. Atme rhythmisch. Der Sonnenvernichter ist eingeholt. Du bist auf gleicher Höhe. Nimm den Controller, fahr' den Greifarm aus, öffne ihn und schwenke hinüber. Ein wenig altertümlich zwar, aber die starken Magnetfelder der Sonne vereiteln den Einsatz von Traktorstrahlen. Du wirst den Sonnenvernichter manuell einfangen müssen.

Countdown minus zwanzig Sekunden .

Atme. Atme rhythmisch. Du schaffst das. Für so etwas hast du geübt und trainiert. Du umschließt mit dem Greifarm den kastenförmigen Sonnenvernichter. Die Impulse, die von ihm ausgehen, sind ungeheuer stark. Sie übertragen sich über den Greifarm auf den Raumjäger. Du hast das Gefühl, dass jemand von außen mit einem riesigen Hammer auf die Pilotenkanzel schlägt. Das nährt die Panik in dir noch mehr, der kritische Punkt ist nahe. Du musst den Sonnenvernichter in den Raumjäger ziehen und dann wenden.

Countdown minus zehn .

Einatmen. Eruptive Protuberanzen sorgen für Turbulenzen. Der Raumjäger wird durchgerüttelt. Der Greifarm kann den Kasten nicht halten. Der Schweiß läuft dir in die Augen. Sie brennen. Die Klimaanlage des Helms ist ihrer Aufgabe definitiv nicht gewachsen. Kämpfe die Panik nieder. Reiß dich zusammen. Das ganze Manöver noch einmal. Mit dem Controller den Greifarm öffnen, den Sonnenvernichter umschließen.

. neun .

Ausatmen. Schließ' den Greifarm. Der Kasten ist gesichert. Nun zieh' den Arm in den Raumjäger zurück. Die Hammerschläge werden immer heftiger. Warum hat dir vorher niemand etwas von diesen Impulsen erzählt? Wahrscheinlich, damit du dir keine unnötigen Sorgen machst. Guter Witz. Unnötige Sorgen? Du dir? Angesichts eines solchen Einsatzes? - Der Controller reagiert nicht, er glüht.

. acht .

Einatmen. Sie haben dich damit beauftragt, weil du eine Waise bist. Du hast keine Familie, keine Kinder, die dich vermissen werden, wenn es schiefgeht, ja noch nicht einmal eine Beziehung. Man hat dich mit Sicherheit nicht wegen einer speziellen Qualifikation ausgesucht.

. sieben .

Ausatmen. Ob das Mutterschiff überhaupt noch da draußen ist und auf deine Rückkehr wartet? Die haben sich bestimmt mit einem Überlichtsprung in Sicherheit gebracht und beobachten alles aus einem der benachbarten Systeme heraus. Bist du ein kalkulierter Kollateralschaden? Ein ganz bewusstes Bauernopfer?

. sechs .

Einatmen. Du reißt und ruckelst am Controller herum. Das verdammte Ding muss doch - ah, er reagiert wieder. Der Greifarm wird eingezogen. Das geht zu langsam.

. fünf .

Ausatmen. Der Greifarm verschwindet im Backbordrumpf des Raumjägers. Die Impulse erschüttern jetzt jede einzelne Parzelle. Lass' den Controller los und greif' nach der Steuerkonsole. Kipp' den Schalter um, der der Automatik den Befehl zum Wenden und zur Rückkehr gibt.

. vier .

Einatmen. Der Computer verabschiedet sich. Das System ist durch die Hitze von außen und die Impulse aus dem Inneren eindeutig überlastet. Schalte die Automatik aus. Mach' es selbst. Konzentrier' dich darauf, den Raumjäger herumzuziehen. Eine weite Kurve sollte dich aus der Gefahrenzone bringen.

. drei .

Ausatmen. Hoffentlich reagiert das kleine Raumschiff auf die manuelle Steuerung. Deine Finger liegen auf den Schaltern der Steuerkonsole, umkrallen die Schalter und Tasten. Du betätigst sie viel zu heftig. Der kritische Punkt ist gleich überschritten.

. zwei .

Einatmen. Konzentriere die Restenergie auf den Antrieb. Gib vollen Schub auf die Hecktriebwerke. Der Raumjäger ächzt und stöhnt, die Impulse rumoren im Material, drohen es von innen heraus zu zerreißen.

. eins .

Atem anhalten.

. Null .

Ende

© by Peter Wayand

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2) Vielen Dank, Peter ...
... für Deine schnucklige Impression und den Perspektivwechsel beim Erleben eines Perkins-Abenteuers. Zweifellos regen Randys halsbrecherische Missionen auch nach 40 Jahren noch gehörig die Phantasie an.
Galaktische Grüße ...
Randy Peh

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Beitrag von:
RANDY PEH
. . . . . . . . . . .
02-01-2016

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3) Die Kurzstory ...
... hat mir gut gefallen ... eine schöne Impression. Ein kurzer Augenblick der Handlung sehr schön innerlich ausgebreitet ... leider hatte ich damals keine Zeit, zu diesem Seminar zu gehen, wollte auch ... mehr von CP bitte ...

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Beitrag von:
AARN MUNRO
. . . . . . . . . . .
08-02-2016

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